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| Partysan
Bayern, Ausgabe Oktober 2010: Zu Gast im Land der unbegrenzten Dummheit, ähh… Möglichkeiten
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| Hey, alles fit? Ich hoffe mal. Ganz getreu dem Sprichwort "Der, der eine Reise tut, kann etwas berichten..." oder so hab ich mir dieses mal meinen Besuch im Land der Freiheit als Gegenstand meines Tourbooks ausgesucht. Warum? Ganz einfach, es wird Zeit mal mit Vorurteilen aufzuräumen, bzw. wenn ich ehrlich bin, diese eher zu bestätigen. |
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| Ich meine jetzt eher nicht die Tatsache, daß das Land auf der anderen Seite des Atlantiks ja hin und wieder den Eindruck macht, als wäre es mit fast schon kollektiver Dummheit gestraft. Nein, Schuster bleib bei deinen Leisten! Es geht um Kultur, und genau wenn es darum geht glänzen die Amerikaner ja hauptsächlich damit zu denken sie haben eine ganz eigene. Stimmt so nicht ganz wie ich finde, denn alles was die Amerikaner außer Barbecue und "Wir sind die besten der Welt" sowie dem Turbokapitalismus als ihre eigenen Errungenschaften lobpreisen haben sie ja letztendlich doch von irgendwo anders her übernommen.
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| Na ja. Da stand ich dann also mal wieder in New York, und immer wenn ich da rüberfliege kann ich die ganzen Kommentare schon nicht mehr hören: "Wow, du spielst in New York, boa ey...". Beileidsbekundungen wären da wohl angebrachter, denn ganz ehrlich, um Techno (also den eher undergroundigen Sound meine ich) steht`s im Big Apple nicht sonderlich gut. Es trifft es wirklich gut wenn man behauptet daß die New Yorker Bauern (ja, die gibt es!) nichts fressen was sie nicht kennen, und so stand ich dann da mit einem sichtlich deprimierten Promoter, der wie immer alle Register gezogen hat um den New Yorkern doch die Faszination von Maschinenmusik ohne David Guetta Einschlag oder Handtaschenhousetopping näherzubringen. Alleine die Clubbesitzer zu überzeugen, daß da mehr geht ist nicht leicht, aber schier unglaublich fand ich dann von mehreren Stellen zu hören daß das ja alles kein Wunder sei, denn ein Manhattener Yuppie kommt aus seinem ach so schicken Meatpacking District grundsätzlich nicht ins benachbarte Dorf Brooklyn, schon gar nicht zum Feiern und wenn er für den Cosmopolitan (den trinkt er trotz Namen dann schon, auch wenn er Scheuklappen so groß wie Fußballfelder trägt…) dann nur die Hälfte zahlt. Und die dort Ansässigen finden den Weg nach Brighton Beach nahe Coney Island ganz im Süden von Brooklyn (ja! Immer noch der gleiche Stadtteil!!! 15 Kilometer!!!) zu weit, das ist ihnen zu anstrengend. Was soll man da noch sagen? Hätte ich mir ja denken können schon als ich im Taxi gesessen bin und der Fahrer nicht wußte wo er hin muß. „Hey die Strasse ist nicht mehr 6-spurig, wir sind auf dem Land!“
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| Das ist die Kultur, bei der man seine dreckige Wäsche per Drive-In in die Reinigung bringt, wo man alles "nice and convenient" braucht, sogar das Essen, und wenn es schmeckt wie die letzte künstliche Grütze, Hauptsache mikrowellentauglich. der Herd in der Küche muß nur gut aussehen, denn zum Kochen wird er nie benutzt. Diese Kultur, wie wir sie kennen, daß man auch mal einen weiteren Weg auf sich nimmt um einen bestimmten Act zu hören scheitert in den USA ja auch schon daran daß die Amis ja gar nicht wissen daß z.B. ein Paule Kalkbrenner schon Mucke gemacht hat bevor er sich als Schauspieler versucht hat. God bless America, am besten mit viel musikalischem Hirn! Hey, you`re from Austria? Nice! How are the Kangaroos? Mein Beileid für die Handvoll Amis, die in ihrer Freizeit mehr auf die Reihe kriegen als sich auf Youtube den Wahlwerbespot von Paris Hilton reinzuziehen oder glauben die Dating-Shows auf MTV sind nicht gestellt. Ein Land voller Poser, ich glaube ich fahre im März jetzt auch mal nach Miami um beim Weltkongress der Techno-Schwachmaten dabei zu sein. Mein Respekt an alle Artists, die jedes Jahr aufs neue versuchen unsere geliebte Musik da drüben beliebter zu machen. Ich geb`s auf, zumindest in New York. Chicago am Tag später hat zwar alles wieder gut gemacht, aber ich kriege es trotzdem nicht in meinen Kopf wie es sein kann daß die selbsternannte Hauptstadt der Welt ein so dermaßenes Kaff ist wenn es um Techno geht.
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| Ok, und was lernen wir nun daraus? Was will uns der Bau damit sagen außer daß wir es hier wohl doch mit einem Entwicklungsland zu tun haben, das noch in der musikalischen Steinzeit verweilt? Ganz einfach: wenn Du, liebe(r) Leser(in) jetzt gerade z.B. so 14 oder 15 bist, vor der stilmäßigen Entscheidung stehst ob die ganze Black-Abklatschkacke cool ist, oder ob es gleich richtig elektronisch werden soll (was es bei dir dann mit 18, 19 sowieso wird, weil Du dann merkst daß es eben doch nicht cool sondern uncool ist wenn man Haltungsschäden von den schweren Goldketten bekommt), dann mach den ganzen Schritt und verschwende nicht Deine Zeit mit dem, was dir aus Amiland als cool verkauft wird. So wie Dein(e) Bruder / Schwester dir das damals 1992 vorgemacht haben. Wir haben unsere eigene Musikkultur, und auf die können wir mehr als stolz sein, denn Techno ist eben mehr als Musik. Es ist ein Lebensgefühl, Innovation, Risiko, Spaß, es ist einfach vieles anders und eines ganz sicher nicht: so massenkompatibel wie es immer hingestellt wird. Und genau das ist doch das Geniale daran! Also unterstützt euren Club um die Ecke, geht hin, auch wenn mal unbekannte Acts dort spielen. Würde man Euch die Augen verbinden, und ihr wüsstet nicht wer gerade spielt, müsstet aber abstimmen: so mancher Resident würde so manchen "Headliner" so was von an die Wand spielen. Im Ausland schauen viele mit Neid auf unsere deutsche Szene - sorgt dafür daß es so bleibt! Wie? Ganz einfach, support your local scene... In diesem Sinne! Bis zur nächsten Party in Kleinkuhdorf, die ich einem Gig im Big Apple mit Sicherheit vorziehen werde! |
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