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| Partysan Ausgabe Oktober 2011 - Vom Regen in die Traufe…
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| Herzlich
willkommen zurück aus der Sommerpause! Keine Ahnung warum es in
der Septemberausgabe kein Tourbook von mir zu lesen gab. Entweder habe
ich es wohl einfach vergessen eines abzugeben, oder aber es wollte mich
keine Sau daran erinnern daß ich eines abgeben muß. Das
wiederum sollte mich dann wohl nachdenklich stimmen... Wie auch immer,
hier bin ich wieder, und ich muß sagen es gab in den letzten
Monaten einfach zu viele richtig gute Partys und Gigs, z.B. in
Regenstauf (um für Bayern mal eine Lanze zu brechen...) genauso
wie auf der Nature One oder auch im Ausland. Es wäre unfair da
jetzt einen Gig hervorzuheben. Außerdem habe ich die Erfahrung
gemacht, daß es bei euch Sensationsschlampen (Sorry!) wohl einen
direkten Zusammenhang gibt zwischen „Gefällt mir“ und
„Wie tief steckt der Bau in der Scheiße“ gibt, und
das Interesse sinkt rapide wenn ich nur ansatzweise berichte wie geil
es auf einem Event war, und was ich mal wieder für ein toller
Hecht gewesen bin. Obwohl ich Euch schon endlos oft erklärt habe,
daß ihr die Party und die Hauptdarsteller seid, nicht ich, und
ich einfach nur den Soundtrack zum Film liefere, den ihr dann schiebt!
Nun gut, dann will ich mal Crowdpleasing betreiben, und muß
dafür wie angedeutet bis Ende Juni zurückgehen. Die
Festivalsaison war bereits am laufen und früher gab`s zu dieser
Jahreszeit auch noch so was wie schönes Wetter. Ja, damals war
alles besser, das sowieso, und irgendwie stimmt es auch manchmal.
Früher, als Techno und artverwandte Auswüchse noch nicht in
jeder Dorfdisse gelaufen sind. Als echte „Macher“ die
Partys veranstalteten, die wußten, was dazugehört. Als man
noch keine Navis hatte, und auch mal auf den Beifahrer gehört hat,
ja mehr noch, als Mama immer brav auf dem Beifahrersitz saß
während Papa ohnehin immer am besten wußte wo es lang geht.
Natürlich ohne Karte.
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| Aber
gut. Der Reihe nach. Bei den Vorplanungen zum eben besagten letzten
Wochenende im Juni stehe ich immer irgendwie im Dilemma. Zum einen
macht da ein Freund in der Nähe von Linz meist seine mittlerweile
überregional bekannte und berüchtigte Fullmoonparty, sogar
wie das Vorbild am Wasser (wenn auch „nur“ der Ausee), aber
mit doll laut Mucke und so, wie in Thailand. Zum anderen findet da aber
auch immer eines der größten Technovolksfeste statt, und das
in einer Gegend, die ansonsten nicht so bekannt ist für
große Elektronikfestivals, was bedeutet daß sich alle mega
drauf freuen und auch immer hinkommen: die Ruhr in Love in
Gelsenkirchen. Das liegt im Ruhrgebiet, für die, die es nicht
wissen sollten. Zum letzten Mal gab es in diesem Jahr, zumindest nach
heutigem Kenntnisstand der Ermittlungen, den Zuschlag für das
letztere Happening. Und einen Grund für diese Mutmaßung
gab`s auch. Der wiederum liegt weniger an der Ruhr in Love selbst, denn
die Veranstalter des Festivals können ja am allerwenigstens etwas
dafür, daß es wie so oft in diesem Sommer aus Kübeln
gepisst hat. Nein, der Grund liegt eher in der Afterparty, für die
ich danach gebucht wurde, und nicht nur ich, auch andere, aber dazu
später mehr.
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| Um
es gleich mal vorwegzunehmen: es war der mit Abstand beschissenste Gig,
den ich jemals absolviert habe. Hier also quasi die Chronologie eines
Untergangs – damit ihr mal wieder was neues zum über mich
lachen habt Schon circa drei Monate vor dem Termin war klar, wo ich am
Freitag zuvor spielen würde, also ganz flugs dem Veranstalter der
Bühne auf der Ruhr in Love bzw. der Afterparty Bescheid gegeben,
daß es ganz in seinem finanziellen Sinne wäre den Flug von
München nach Düsseldorf jetzt gleich zu buchen um Geld zu
sparen, nachdem meinem Management schon fast die Haare ausgefallen
wären bei solch zähen Gagenverhandlungen weil „das
Budget js so eng gesteckt ist“ und so weiter. Um es
abzukürzen: einen Tag vor der RIL ging Mr. „Ich hab`s voll
drauf, das Partyveranstalten...“ zum Flughafen Düsseldorf um
mir dort bar ein Ticket zu kaufen, nachdem er erst versucht hatte mir
am Mittwoch eine Buchung unterzujubeln die ich dann bei Ticketabholung
selbst hätte bezahlen sollen. Schelm ist, wer da böses
vermutet, ja ja. Nach zwei Stunden Schlaf aufgrund des Gigs am Vortag
saß ich dann mittags im Flieger nach Düsseldorf, und direkt
von dort ging es dann per Auto zum im Wasser und Matsch ersaufenden
Olga-Park in Oberhausen, wo ich dann nach „kurzer
Wartezeit“ (O-Ton) gleich dran sein sollte. Du hast ja keine
Ahnung wie lange drei Stunden sein können. Ok, kurz nach 16 Uhr
dann: Go! Ein Wunder, daß sich vor der ganz am Rand des
Geländes gelegenen Bühne doch noch ein paar treue
Technoanhänger vollregnen ließen. Weniger schön,
daß 10 Minuten nach meinem Setbeginn der Strom komplett ausfiel.
Der erste Tiefpunkt, aber es sollte nicht der letzte bleiben. Einen
weiteren Stromausfall und ca. 1h Stunde später hatte ich es dann
geschafft, und als ich mich umdrehte stand Kollege B.S. (will jetzt
keine weiteren Namen nennen, aber durchaus auch namhaft...) hinter mir,
ebenfalls gebucht, und auf das Lächeln und „Hey B., wie
geht`s?“ erntete ich nur einen Blick von B. auf seine Taschen die
nicht mehr schwarz sondern eher matschbraun waren, weil man es
„Mr. Vollchecker“ es nicht organisiert bekam ihn am
richtigen Bahnhof abzuholen, und er dann vom Taxifahrer ca. 1 km vom
Geschehen entfernt seinem Schicksal überlassen wurde.
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| Ziemlich
müde ließ ich dann anklingen daß eine Fahrt zum Hotel
ne feine Sache wäre, und nachdem ausgelost wurde wer die 17km nach
Essen ins dortige Hotel fährt ging es los, zurück durch den
Matsch zum Auto. Das erste was mir auffiel: Das Navi im Auto war wohl
nur „Deko“, denn gleich bei der Ausfahrt vom Parkplatz fuhr
die Autofahrerin des Jahres rechts und nicht links wie vom Navi
gefordert. War mir (noch) egal, kann ja sein daß man als
Ortskundige(r) durchaus einen besseren Weg kennt als das Navi. Mit
Betonung auf „kann sein“. Das gleiche Spiel dann immer
wieder, bis der begleitende Beifahrer mal anmerkte, daß es schon
Sinn machen würde den Empfehlungen des Navi Folge zu leisten. Das
Gegenargument, daß es sich ja um die richtige Route handeln
würde, da es ja so vom Navi angezeigt wurde (ohne zu erkennen,
daß es sich laufend eine neuen Ausweg aus der Misere sucht...),
ließ darauf schließen, daß es wohl noch etwas
länger dauern könnte. Tja, wer kann, der kann. Als wir dann
nach 30 Minuten (ich erinnere: 17km – laut Navi!) die richtige
Autobahnausfahrt verpasst hatten konnte ich mich nicht mehr
zurückhalten, denn es galt zu vermeiden auch die nächste
Ausfahrt zu verpassen denn „das Navi zeigt doch geradeaus
an!“. |
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| Oh
Mann, ähm, sorry, oh Frau...“. Nach 44 Minuten dann: Ankunft
am Hotel, kurz aus dem Auto, und auf meine Frage „Wie geht`s
weiter?“ hörte ich nur „Du, der Mr. ... meldet
sich“. Ja, was sonst, egal, ich war müde und ab ging`s in
die Kissen. Irgendwann kurz vor Mitternacht wurde ich dann doch mal
neugierig und ich fragte bei einem weiteren, nicht unbekannten Act aus
Belgien (der auch gebucht war) nach. Der erklärte sich dann
freundlicherweise bereit, mich mitzunehmen, und so starteten wir zum
Austragungsort der Afterparty, einer kleinen Disse an einer
Hauptstrasse in Oberhausen, und nun nahm das Elend so richtig seinen
Lauf. Nicht nur daß keine Leute drin waren außer einer
Handvoll Stammgäste, die wohl öfters dort sind, und mit
Techno so viel am Hut zu haben schienen wie die Mr. … mit
reibungsloser Organisation. Der wiederum war nirgends auffindbar, und
so langsam schwante mir, daß das ganze ziemlich übel enden
würde. Aber gut, wie geplant fing ich um zwei Uhr an mit meinem
Set, und schon kam der Barkeeper mit tollem Ruhrpott-Akzent „Ey,
mach ma leiser, du machst mit deine Bässe de ganze Anlage kaputt,
is ne Ansage vom Chef, los...“. Aha. 15 Minuten später ein
Bestandteil des eben erwähnten Inventars: „Ey, wat soll dat
denn sein, spiel ma wat anderes, dat Bumm Bumm kann ich in mein Keller
auch machen, ey...“. Ich wurde langsam sauer. Wieder 10 Minuten
später noch einer, der sich voll auskannte: „Ey, wat soll de
Scheiße, spiel ma wat anderes, hast doch hier so ne Laptop, da
muß doch auch noch wat anderet drauf sein, oder wat bistn du
fürn DJ, ey...“. Ok, das Maß war voll, und ich
schnappte mir nen Resident von Mr. … und erklärte ihm
daß meine gerade laufende Nummer noch genau drei Minuten dauern
würde, und daß er genau so lange Zeit hat sich zu
überlegen wie es nun weitergehen würde, denn von mir
würde es danach definitiv kein „Bumm Bumm“ mehr geben,
weil ich ja kein schlechter DJ sein will. Gesagt, getan. Nachdem mein
Kram verräumt war kam der obligatorische straighte Gang zur Kasse,
wo die rechte Hand von Mr. … (der noch immer nicht anwesend war)
stand, und dem gemessen am Gesichtsausdruck schon klar war, was jetzt
kam: „Ok, pass auf, ich sag das jetzt genau einmal: Du wirst mir
jetzt sofort meine Gage auszahlen und danach wirst Du organisieren
daß ich sofort zum Hotel gebracht werde. Und das ganze etwas
plötzlich.“ Mann, ich muß echt auf 180 gewesen sein,
denn 5 Minuten später hatte ich einen Umschlag in der Hand.
Erstaunlich eigentlich woher das Geld kam, aus der Kasse kann es nicht
gewesen sein, bei ca. 15 zahlenden Gästen. Ich ging zurück zu
meinem Gepäck und gerade als ich um ca. 3:30 gehen wollte stand
Kollege B. vor mir, der um 6:30 dran sein sollte. Ja, genau. „ Ey
B., der Typ ist noch immer nicht da, schau daß du deine Flocken
kriegst, und dann laß uns abhauen“. B. war erstmal
sprachlos, von diesem katastrophalen Eindruck wie parallelisiert, und
siehe da: auf einmal war er da, der Veranstalter des Jahres, der sich
zuvor immer wieder telefonisch verleugnen ließ weil er ja noch
„beim Flyern am Hauptbahnhof“ war. Tja, da hätte er
die Flyer mal lieber rechtzeitiger verteilen sollen. So ein Spack! |
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| Da
saßen wir dann, Brian, Mr. … und ich im Backstage, und
alles was zu hören war „Dieser hat was falsch gemacht, jener
seinen Job nicht, dies ist scheiße gelaufen, jenes nicht
eingehalten von irgendwelchen Leuten, aber ich... ich hab alles richtig
gemacht, ich bin ja das arme Opfer, das von allen nur im Stich gelassen
wird!“. Ok, mir reichte es jetzt endgültig. Ich bin der
letzte mit dem man nicht normal reden kann in einer schwierigen
Situation, vor allem wenn ich merke daß da echt etwas unerwartet
schief gelaufen ist. Wenn aber klar wird, daß man glaubt
man weiß alles besser, schlägt Empfehlungen, lange vor dem
Event, eine andere Location zu benutzen, aus, kriegt die Werbung nicht
auf die Reihe, sucht dann am Ende immer noch die Schuld bei allen
anderen und zur Krönung versucht man nicht mal den Schaden zu
begrenzen und den Dialog mit den Artists zu suchen, dann fliegen bei
mir alle Sicherungen und ich bin auf einmal gar kein cooler Fonzie
mehr. Da B. seine Gage natürlich noch nicht hatte, und mir der Typ
nur noch auf den Sack ging machte ich ne Ansage auch im Namen des noch
immer verdatterten zB.: „Ok, Sportsfreund. Es sieht jetzt so aus:
Du hast jetzt genau 5 Minuten Zeit die Gage von B. aufzutreiben, wir
kommen dann wieder, und wenn das Geld nicht da ist nehmen wir deinen
Mixer als Pfand mit.“ Tja, man sollte die Solidarität unter
Künstlern nicht unterschätzen... 5 Minuten später
natürlich kein Geld da, was sonst, und so verließen wir mit
einem Mixer unterm Arm den Club und der Albtraum hatte zumindest bis
zum nächsten Morgen, an dem ich natürlich nicht abgeholt und
zum Flughafen gebracht wurde, ein Ende. Alles was noch kam war eine
Mail nach einer Woche an mein Management, so sinngemäß
„Ich kann ja gar nix dafür, und alle waren ja so schlecht zu
mir, denn ich hab`s ja eigentlich voll drauf...“. Ach Gott, ja,
und wie! Ich kann nur sagen: Fullmoon 2012, ich komme! |
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